Der Modedesigner Jesko - die Hauptfigur - ist ein armer kleiner Wicht. Das liegt nicht nur daran, dass er aussieht wie Jürgen Vogel. Bei tristem, typisch deutschen Wetter wartet er mit Herrenrock und leukämischen Nasenbluten auf seinen Bruder Ansgar, welcher ihn aufs väterliche Anwesen kutschieren soll. Es regnet. Im Automobil kommt es durch Nichtigkeiten (Regen) zum Streit zwischen den Beiden. (Es sind halt Brüder.) Der Chauffeur steigt auf Wunsch aus. Dann einer der Brüder - der zweite folgt ihm. Nun stehen sie wirklich alle im Regen. Der Chauffeur, der Ansgar mit seiner Verlobten betrügt, Jesko, der seiner lange verschollen geglaubten, geisteskranken (Kein Wunder, bei der Sippe!) Mutter Knochenmark abzapfen will, um seine von Blutkrebs bedrohte Existenz zu retten, und Ansgar, der seine nymphomane Gattin in spe hintergeht.
Wie auch die wie eine Collage aus Tankstellentoiletten und Ostplattenbautreppenhäusern anmutende Klinik (im reichen Baden-Württemberg?) in der Muttern Knochenmark entnommen wird, wirkt diese Familie zutiefst verfallen. Eigentlich dekadent, denn finanziell gesehen ist sie reich. Reich, wie der Film an künstlich verwackelten, flachen und extrem grobkörnigen Bildern, die mit der Zeit nicht nur den Augen weh tun, sondern auch an Nervigkeit nicht zu übertreffen sind. Alles, was der Film will, ist schmerzhafte Poesie, was schon der Titel nahelegt. Poesie, die aber mit der Realität, die der Streifen vorzugaukeln versucht, unmöglich etwas zu tun haben kann. Man kommt sich als Kinobesucher beinahe so verarscht vor, wie von Nichtskönnern, die ihr Werk als Kunst deklarieren. Chris Kraus mag vielleicht das Schreiben beherrschen, vom Film versteht er allerdings zu wenig. Das ist schon an der simplen Tatsache festzumachen, dass er seinen eigenen Roman verfilmt hat, wo doch jeder weiß, dass beispielsweise die schlechteste Stephen-King-Verfilmung die von King selbst durchgeführte ist. Eine gelungene Freakshow - von der skurrilen Charaktereinführung Jeskos bis zum pathetischen Abschiedsständchen für seine Mutter ...