»Extremistische Gewalt verhindert wirtschaftlichen Aufschwung. Bekennen wir Farbe!« Diese Worte muss man sich erst mal durch den Kopf gehen lassen. Als ich ihnen zum ersten Male begegnete - ich weiß noch genau, damals, einer dieser länglichen Aufkleber in der Rostocker Straßenbahn oberhalb der Fenster, jaaa, damals, hach! - als ich ihnen also zum ersten Male begegnete, sie las, musste ich sie wiederholen. Ich dachte, ich hätte den Sinn nicht verstanden. Ich dachte falsch. Was uns das Land Mecklenburg-Vorpommern sagen will, ist: »He, liebe Freunde der rechtsradikalen Abteilung. Wir wissen, dass in euch eine tierische Wut steckt und dass es euch Spaß macht, Fremde zu verprügeln. Wir haben das auch immer mit Wohlgefallen betrachtet. Klar, immer schön raus mit dem Ausländergesocks, aber wir haben gemerkt, dass Feindseligkeit egal welcher Art unserer Wirtschaft schadet und unser Land unattraktiv für Investoren macht. Also haben wir uns gedacht, jetzt da es an unser aller Geld geht und wir von massiver Arbeitslosigkeit und relativer Armut bedroht werden, sollten wir unseren lieben Kanakenkameraden opportun die Hände zum Herzlich-willkommen-im-Ossiland reichen, sofern wir sie noch nicht so weit geprügelt haben, dass sie ihre Gliedmaßen zum Händedruck nicht mehr bewegen können.« Nein, aber im Ernst. Da sieht man mal, wie weit wir gekommen sind. Xenophilie ja, aber nur für wirtschaftlichen Aufschwung? Ich fand die Werbung nach wiederholtem Erblicken noch ein paar Mal amüsant, aber wenn ich sie jetzt sehe, könnt' ich kotzen. Da richte ich meinen Blick lieber auf ein gutes Buch oder lasse meinen Blick über die nekropolitischen Landschaften Rostocks schweifen als zu riskieren, dass mir das Ding immer wieder ins Auge fällt oder ich in eines dieser Zombiegesichter blicken muss, die sich zur Arbeit(slosigkeit) schleppen - auch nicht froher als bevor der Großteil der Weltbevölkerung aus unseren Gefilden vertrieben wurde.