Wie sieht eigentlich das Erscheinen von Außerirdischen aus? Sind die kleinen (oder großen) grünen (oder grauen) oder sonst wie gearteten Außerirdischen kleine Knuddel-Aliens zum Liebhaben oder gefühlskalte Weltenzerstörer? Prot jedenfalls sieht aus wie ein Mensch und ist stets nett. Seinen ersten Auftritt hat er in New Yorks Hauptbahnhof. Prot wird Zeuge eines kleinen Überfalls und versucht zu helfen, wird jedoch von der Polizei mitgenommen, welche sich natürlich nach seiner Identität erkundigt. Prot ist ein netter Alien und lügt auch nicht, was seine Herkunft betrifft. Deshalb wird er direkt in eine psychatrische Anstalt verfrachtet, wo sich Dr. Mark Powell - dargestellt von Jeff Bridges, der seine »Starman«-Rolle an Kevin Spacey abgeben musste - um ihn kümmert. Die Frage, die sich bis zu der von Prot geplanten Abreise stellt, lautet: Ist Prot ein psychisch gestörter Mensch oder ein gutmütiger Alien, was unter anderem angesichts enormen Wissens und der Fähigkeit, UV-Licht zu sehen (weshalb er eine Sonnenbrille trägt) sehr wahrscheinlich ist!?
Dieser Film soll in erster Linie ein Psychodrama sein, ist jedoch ausgestattet mit einem Sammelsurium an Klischees. Prot ist wie ein Heiliger, hat guten bis heilenden Einfluss auf die Mitbewohner der Anstalt, sein mit seiner Diagnose hin und her schwankender Psychater ist natürlich immer so-kurz-vor-einem-Durchbruch und natürlich sind die anderen Insassen nichts anderes als Karikaturen! Dass das Ganze eigentlich nur einen geistigen Diebstahl an Eliseo Subiela (Der Argentinier machte einen 1986 Film namens »Hombre Mirando al Sudeste« mit identischer Handlung.) darstellt, ist einer positiven Bewertung nicht gerade förderlich ...
Und deshalb nehme ich es mir an dieser Stelle einfach mal heraus, die letzten Minuten des Streifens zu verraten. Powell recherchiert ein wenig und findet etwas über einen gewissen Robert Porter heraus, der seine Familie verloren hat und darauf spurlos verschwunden ist. Powell konfrontiert Prot/Porter mit dieser Erkenntnis. Der jedoch lässt sich davon nicht beirren. Am Tag darauf will er ja auch schon wieder abreisen und für eine Anstaltsbewohnerin stellt sich das sogar als extraterrestrische Mitfahrgelegenheit heraus. Sie verschwindet spurlos, während Porter post-traumatisch katatonisch und von seinem außerirdischen Symbionten befreit (der sich höchstwahrscheinlich mit der Verschwundenen aus dem Staub gemacht hat) zurückbleibt. (Das ist meine Deutung der Handlung.) Oder Porter war für eine kurze Zeit übersinnlich begabt.
Spacey sieht mit seiner Mimik aus wie John Doe aus »Se7en« und er sitzt sogar einmal auf dem Rücksitz eines Automobils und unterhält sich mit Fahrer und Beifahrer, was unweigerlich endgültig David Finchers genialen Thriller ins Gedächtnis ruft. Und auch Jeff Bridges läuft in Zeitlupe wie anno dazumal in »Arlington Road«. Doch nicht nur wegen diesen höchstwahrscheinlich ungewollten Filmzitaten ist »K-Pax« (Prots Heimatplanet) amüsant. Es ist auf keinen Fall ein schlechter Film - nur das offensichtliche Story-Plagiat ist ihm anzukreiden.