Durch einen Berufsverkehrautomobilunfall auf New Yorks Straßen kreuzen sich die Lebenslinien des Wall-Street-Anwalts Gavin Banek (Ben Affleck) und dem in einer Versicherung arbeitenden Doyle Gipson (Samuel L. Jackson), der um das Sorgerecht für seine Kinder kämpft. Sie beide müssen sich eilig zu ihren juristischen Terminen aufmachen und werden sich daher nicht über die Schadensregelung einig. Banek verliert auf der Straße jedoch ein wichtiges Dokument, welches für die Vorlage bei Gericht gedacht und extrem entscheidend für seinen Fall ist. Gipson hat sich natürlich des Dokuments angenommen und weil Banek ihn auf der Straße sitzen lassen hat - Gipsons Automobil ist fahruntüchtig geworden -, kommt er zu spät zu dem Ehestreit auf rechtlicher Basis, welcher - als Konsequenz - ohne ihn entschieden wurde; nicht zu seinen Gunsten. Ein rachegenährter, sich spiralförmig ausbreitender Kleinkrieg beginnt.
Überstürzt, übertrieben, unüberlegt, genau so agieren und reagieren die beiden Hauptpersonen. Das scheint für den gelassenen Zuschauer ziemlich an den Haaren herbeigezogen, doch die beiden stehen am Rande ihrer beruflichen (Banek) und gesellschaftlichen (Gipson) Existenz. Und wenn man wie Gipson auch noch ein Alkoholproblem hat, ist das dem Ganzen nicht gerade förderlich. Roger Michells Film ist eine spannende, unterhaltsame Studie über Moral und Emotionalität. Musikalische Untermalung liefert David Arnold in Bond-geschulter Elektro-Manier und symphonischen Momenten. »Spurwechsel« ist einer der Filme, die einen interessanten Blick auf die seichten Abgründe menschlicher Existenzen werfen und dabei trotzdem - unter anderem durch die prominente Besetzung (Toni Collette, William Hurt, Amanda Peet, Sidney Pollack) - massenkompatibel bleiben. Kino mit Substanz. Sehenswert.