der perfekte Blade-Runner-Soundtrack

Der Versuch, einen ultimativen Soundtrack zum Kultfilm »Blade Runner« zu erstellen, ist verständlich. Schließlich dauerte es ungefähr zwölf Jahre, dass die Originalmusik von Vangelis offiziell erschien. Und selbst diese legale Veröffentlichung ist nicht das, was Filmmusik-Puristen gerne hätten. Man hört beispielsweise Dialoge, was von vielen Filmmusikliebhabern eh als eine Todessünde betrachtet wird. Und diese Dialoge sind noch nicht einmal mit der tatsächlich im Film zu hörenden Musik unterlegt, sondern mit Stücken aus völlig anderen Szenen beziehungsweise Musik, die gar nicht im Film vorkam. Wenn man genau hinhört, kann man in dem Stück »Blush Response« sogar die Originalmusik zu den zu hörenden Dialogen vernehmen, die dann allerdings durch ein anderes - das hauptsächlich zu hörende - Stück überlagert sind.

Bootlegs

Als hätten sie es geahnt, dass die legale Publikation so aussehen würde, veröffentlichte ein »Label« namens Off-World die seit Erscheinen des Films kursierende Bootleg-MC als CD. Diese zeichnet sich vor allem durch Übersteuerungen aus, die auch schon auf der sagenumwobenen Kassette präsent gewesen sein sollen. Inhaltlich aber ist sie quasi die komplette Filmmusik beziehungsweise kompletter als die offizielle Edition von Warner. Die CD wurde immer wieder unter anderen Namen und mit minimalen Veränderungen neu aufgelegt. Eine dieser Neuveröffentlichungen (wie ich finde, die beste) geschah durch das rumänische, wahrscheinlich nur für diese Publikation erfundene »Gongo«-Label.

Neben den CDs, die alle auf der verzerrten und leiernden Kassette basieren, gibt es noch eine Reihe anderer mit weitaus besserer Tonqualität. Der »Haken« hierbei ist, dass es sich um die Tonspur ohne Dialoge handelt, also im wahrsten Sinne des Wortes ein »Soundtrack«. Diese Quelle basiert auf den Tonbändern, die für Synchronisationen an die einzelnen Synchronisations-Studios gehen. Jemand hat wohl eine erstaunlich gute Kopie in die Finger bekommen und sie veröffentlicht. Genau wie das Off-World-Bootleg hat diese Version ein paar Reinkarnationen erlebt - bis hin zum Erscheinen der japanischen »Deck Art Definitive Edition«, ein echtes Sammlerstück mit einfallsreichem Cover und im Gegensatz zu den Vorgängern namens »Memoirs« eine ordentliche CD-Pressung und kein -Brand.

Nun gibt es also im Prinzip nur zwei verschiedene Bootleg-Versionen, die sich nicht nur erheblich durch Tonqualität unterscheiden, sondern auch durch den Film selbst, denn das Off-World- respektive Gongo-Bootleg basiert auf der ursprünglich veröffentlichten Filmversion von 1982 und das Deck-Art-Boot scheint der Tonspur des in den frühen Neunzigern erschienen »Director's Cut« entnommen zu sein. Wobei es natürlich auch hierbei ein paar Ungereimtheiten gibt. Zum einen wäre da Musik zu Deckards Traumsequenz, die es in der Filmfassung von 1982 gar nicht gibt - das muss natürlich nicht unbedingt ein Widerspruch sein. Zum anderen taucht auf dem Deck-Art-Release eine Variation von »Rachel's Song« auf, der nur auf Vangelis' offiziellem Album erschien, nie aber im Film zu hören war.

der perfekte Blade-Runner-Soundtrack

Fazit

Natürlich könnte man versuchen, all die verfügbaren Tonschnipsel (inklusive LaserDisc und DVD) zu einer ultimativen Ausgabe zusammen zu fügen und ein paar Fans haben das auch schon mit der »Esper Edition« getan, allerdings halte ich das Ergebnis für ziemlich inkohärent und eine Doppel-CD-R mit ausgedrucktem Cover für ziemlich unschick. Nachdem ich ziemlich unzufrieden mit dem Esper-Versuch war, habe ich auch schon mit dem Gedanken gespielt, eine eigene Version zu erstellen, bin dann aber einsichtig geworden. Auch das Off-World-Label brachte 2000 eine drei CDs umfassende »Definitive Edition« mit der grausigen Orchester-Fassung aus den Achtzigern heraus und ein Jahr später erschien die »2001 Edition« (zwei CD-Rs) mit ähnlichem Konzept. Wer also einen vermeintlich perfekten Blade-Runner-Soundtrack sucht, dürfte mit einer dieser drei Bootlegs zufrieden sein.

Wer aber so wie so ein Blade-Runner- und/oder Vangelis-Enthusiast ist, den wird es nicht abschrecken, die offizielle CD (wahlweise japanische oder goldene taiwanesische Ausgabe :-), das Gongo- sowie das Deck-Art-Bootleg von 2001 zu besitzen. Mich hat es nicht abgeschreckt, allerdings ist die Tonqualität des Gongo-Bootlegs so schlecht und das Artwork nicht gerade überzeugend und so habe ich es mir auf eine MD überspielt. Einen Herausgeber von Bootlegs wird diese kleine Urheberrechtsverletzung bestimmt nicht stören.

Vielen Dank an Bentley Ousley für seinen ausführlichen Artikel »I Dreamt Music« auf bladezone.com (den ich jedem empfehle, der nun Appetit bekommen hat).