Ali

Jetzt startet er also doch noch in Deutschland. Ali, Michael Mann, Will Smith ... Oscar? Große Erwartungen entwickelten sich. Und lange Zeit fand sich kein deutscher Verleih - letztendlich verständlich!

1964. Cassius Clay tanzt im Ring. Sein Gegner ist Sonny Liston, Weltmeister im Schwergewicht - jedoch nicht mehr lang. Nachdem nun Black Muslim Clay den Titel in den Händen hält, nennt er sich (oder die Nation of Islam ihn) Muhammad Ali. Ein neuer Name, ein bisschen Größenwahn und vor allem Arroganz zeichnen die von Smith gespielte Figur aus. Er ist also in seinem Element, stellt wie in früheren Rollen Großkotz und Trotzkopf dar. Nichts besonderes also, auch nicht die paar Kilo neue Muskeln (extra für Manns Film) - das gab's schon. Und außerdem ist's nur Fleisch ...

Supi. Jetzt haben wir hier schon wieder eine Biographie (zuletzt 1997: »When We Were Kings«) einer so genannten Legende. Von der Privatperson, dem Menschen Ali allerdings wird nicht viel gezeigt, eher von seinen Prügeleien im Ring - diese jedoch cremig in Szene gesetzt. (Lob an Kamera und Regie.) Doch hat man auch nur ein bisschen von Alis Wesen mitbekommen, will man auch eigentlich nicht mehr wissen. Denn er war (und ist) ein selbstverliebtes Großmaul (jedenfalls im Rampenlicht) im Religionswahn mit Frauenverschleiß. Bleiben nur noch die Oldies sowie die Musik von Pieter Bourke (Soma) und Lisa Gerrard (Dead Can Dance), die auch schon in Manns »The Insider« für Stimmung sorgten, sowie das exzellent geschnittene Bild. Ein Videoclip also, ohne richtige Handlung (Schema Sieg-Sieg-Niederlage-Sieg). Als ein mit Film-Video-Materialgemisch erzeugtes zweieinhalbstündiges Dokudrama passabel, aber kein Kunstwerk. Und eigentlich sieht man immer nur Will Smith, wie sehr man sich auch anstrengt, Agent Jay zu verdrängen. Kauft, ladet, leiht, mietet oder stehlt euch lieber »Hurricane« - um Klassen besser und um Längen kürzer.